Serbien und Bulgarien: Unerwartete Unterschiede zweier naher Länder

Erste Eindrücke vom vorübergehenden Aufenthalt in Serbien
Anfangs schien ein Vergleich zwischen Serbien und Bulgarien nicht ganz fair, denn ein vorübergehender Aufenthalt ist eine Sache, das Leben im eigenen Haus eine andere. In Serbien schafft der Status eines Gastes auf Zeit, der bald wieder abreist, eine bestimmte Wahrnehmung, während in Bulgarien, wo man ein eigenes Zuhause hat, die Gefühle völlig anders sind. Dennoch ermöglicht selbst ein kurzer Besuch, sich eine bestimmte Meinung zu bilden.
Die Reise nach Serbien wurde unternommen, um persönliche Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Auswanderung zu klären. Der Aufenthalt im Land dauerte etwa zweieinhalb Wochen, und in dieser Zeit konnte ich unter verschiedenen Bedingungen leben. Zuerst war es ein modernes Apartment im Herzen der Stadt Niš, nur zwei Gehminuten von der Hauptpromenade mit ihren Restaurants und dem Nachtleben entfernt.
Szenenwechsel: Vom Stadtzentrum in den Privatsektor
Nach Ablauf des Mietvertrags für das über Booking gebuchte zentrale Apartment musste eine neue Unterkunft gesucht werden. Die Wahl fiel auf eine günstigere Option, die nicht im Zentrum, aber an einem malerischen und schönen Ort liegt. Die neue Unterkunft ist das Erdgeschoss eines Privathauses mit direktem Zugang zum Garten, während die Eigentümer im ersten und zweiten Stock wohnen. Obwohl dieser Ort in der Stadt liegt, sind es nur etwa 8 Autominuten zur vorherigen Unterkunft im Zentrum.
Das einzige Problem war die Hitze, da die Wohnung keine Klimaanlage hatte, was bei der Buchung übersehen wurde. Laut Wettervorhersage steht jedoch eine Abkühlung bevor, und die Temperatur wird auf angenehme 20 Grad sinken. Ansonsten war der Ort ideal: schöne private Architektur und eine Fülle von Blumen ringsum.

Allgemeiner Blick auf das Land: Europäische Kultur und Sprachbarriere
Serbien macht den Eindruck eines sehr schönen, sauberen und gepflegten Landes. Überall gibt es Blumen, aufgeräumte Plätze und Parks, was von der fürsorglichen Haltung der Einheimischen gegenüber ihrer Umgebung zeugt. Man spürt eine europäische Kultur, und subjektiv empfunden gibt es hier sogar mehr Anzeichen dafür als an manch anderen Orten.
Trotz der kulturellen Nähe erwies sich die Sprachbarriere als unerwartet stark. Während es für einen Russischsprachigen in Bulgarien leicht ist, Schilder und die gesprochene Sprache zu verstehen, ist das in Serbien nicht der Fall – die serbische Sprache ist praktisch unverständlich. Die Einheimischen wiederum verstehen auch kein Russisch. Deutlich weniger Serben sprechen Russisch im Vergleich zu Bulgaren, unter denen Menschen über 50 oft die Sprache beherrschen. Dafür sprechen in Serbien mehr Menschen Englisch.

Alltagsleben: Von den Straßen bis zu den Geschäften
Im Alltag zeigen Serbien und Bulgarien ebenfalls deutliche Unterschiede. Zum Beispiel ist die Fahrkultur in Serbien viel intensiver. Hier hat der Autofahrer klaren Vorrang vor dem Fußgänger, und selbst am Zebrastreifen halten die Autos bei weitem nicht immer an. Das Parken auf Gehwegen ist ein Massenphänomen.
Die Architektur des Privatsektors in Serbien unterscheidet sich von der bulgarischen. Hier überwiegen zwei-, drei- und manchmal sogar vierstöckige Häuser, während in Bulgarien eher einstöckige Häuser zu finden sind. Auch der Fuhrpark hat seine Eigenheiten: Auf den Straßen gibt es viele Range Rover und große Audi-Modelle, aber kaum Land Cruiser. Man trifft auch auf alte jugoslawische Autos, zum Beispiel der Marke Yugo.
Das Sortiment in Lebensmittelgeschäften, selbst in derselben Kette wie Lidl, unterscheidet sich radikal. In Serbien ist die Auswahl an Käse, Wurstaufschnitt und Milchprodukten deutlich kleiner als in Bulgarien. Es gibt auch weniger Gemüse und ein sehr begrenztes Weinsortiment. Gleichzeitig hat die lokale Küche ihre Eigenheiten, obwohl sie der bulgarischen ähnlich ist – hauptsächlich gegrilltes Fleisch.

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